Eine kurze Geschichte über … Alkohol
An dieser Stelle möchte ich sowohl über mein eigenes Verhältnis zu Alkohol berichten als auch über das der Ladies, mit denen ich während meines Urlaubs zu tun hatte (daher ist dieser Aspekt natürlich sehr subjektiv bewertet, da ich ja aufgrund meines kurzen Aufenthalts nicht wirklich die Gelegenheit hatte, hier genauere Untersuchungen durchzuführen).
Fangen wir mit dem (einzigen) Aspekt an, den ich tatsächlich objektiv beurteilen kann (zumindest bilde ich mir das so ein): Mein Konsum von alkoholischen Getränken. Dass ich im Urlaub dazu neige, viel (teilweise zu viel) zu trinken, habt ihr inzwischen sicherlich schon bemerkt. (Kleiner Spoiler: Ich bin auch an den restlichen Urlaubstagen, über die ich später noch berichten werde, nicht zum Abstinenzler mutiert.) Ob dadurch schon die medizinische Definition eines Alkoholabhängigen erfüllt ist, weiß ich nicht. Fakt ist, dass bei mir Alkohol zum Urlaub (egal, ob in Pattaya oder sonst wo) fest dazu gehört. Warum ist das so? Grundsätzlich bin ich ein sehr introvertierter Mensch, der große Probleme (teilweise schon fast Panik) hat, mit fremden Menschen zu interagieren – ein niedriger Alkoholpegel hilft mir dann dabei, diese Scheu (zumindest teilweise) zu überwinden.
Moment mal, werdet ihr jetzt vielleicht einwenden, mein Alkoholpegel in den vergangenen Tagen war doch alles andere als niedrig – wie passt das jetzt zusammen? Tja, und damit wären wir auch schon bei meinem zweiten Problem angelangt: Ich verspüre oft eine große innere Unruhe, das bedeutet, dass ich schnell die Lust an dem, was ich grade tue, verliere und mich schnell etwas anderem zuwenden möchte. Anders gesagt: Ich verliere schnell die Geduld (das soll nicht heißen, dass ich dann in irgendeiner Art ausrasten würde – „Geduldsfaden reißen“ bedeutet bei mir keinen aggressiven Ausbruch, sondern verursacht eine Fluchtreaktion) und wende mich von meiner aktuellen Tätigkeit (oder den Personen, mit denen ich grade interagiere) ab. Konsum von Alkohol (salopp gesagt: einen gewissen Pegel erreichen und diesen dann halten) dämpft diese Unruhe und ich bin dann auch in der Lage, mich über längere Zeit mit einer Sache zu beschäftigen. Dummerweise schieße ich dabei leider manchmal übers Ziel hinaus (wie z.B. an Tag 5) und ärgere mich im Nachgang dann immer sehr darüber.
Abseits von Urlauben (und gelegentlicher Feiern – kommen aber nicht oft vor) ticke ich hingegen ganz anders bzw. gehe ganz anders mit Alkohol um. Zuhause trinke ich nur selten (im Schnitt vielleicht ein- bis maximal zweimal pro Woche) Alkohol und dann auch nur kleine Mengen (maximal 1-2 Bier, ein Glas Wein oder ein Gläschen guten Rum/Whisky). Oft kommt es auch vor, dass ich wochenlang gar nichts trinke – weil ich einfach keine Lust darauf habe. (Wo wir grade dabei sind: In diesem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe, habe ich grade eine Flasche Bier neben mir stehen – also Prost!)
Aber wie mache ich das im Berufsleben? Einfache Antwort: Abgesehen von Firmenfeiern (vielleicht eine Handvoll pro Jahr) trinke ich auf der Arbeit gar nichts, ich lagere auch (im Gegensatz zu manchen Kollegen) keinen Tropfen Alkohol im Büro. Aber treten nicht auch grade hier meine beiden oben beschriebenen Probleme (Introvertiertheit, innere Unruhe) zu Tage? Ja, das tun sie, aber hier habe ich einen einfachen Grundsatz: Ich mache meine Arbeit, um damit Geld für meinen Lebensunterhalt zu verdienen – wenn ich deshalb über meinen Schatten springen muss (mit mir unbekannten Personen interagieren, mich längere Zeit auf eine – möglicherweise langweilige – Tätigkeit fokussieren), dann tue ich es einfach (nach dem Motto: Augen zu und durch). Ich wünschte mir oft, das würde mir auch im Privatleben so gelingen, aber hier kommt mir dann der Umstand in die Quere, dass ich alles, was ich tue, freiwillig mache und somit auch jederzeit entscheiden kann, gewisse Dinge eben NICHT zu tun (ausgenommen natürlich elementare Sachen wie Einkaufen gehen, Rechnungen bezahlen, etc.).
Okay, das waren nun genug Infos zu mir – kommen wir nun zu einem interessanteren Thema (hoffe ich zumindest): Ladies in Pattaya und ihr Verhältnis zum Alkohol.
In Berichten über Pattaya (hier im Forum, aber auch in Büchern, Youtube-Videos, etc.) liest man ja oft, dass die Ladies (oder zumindest viele von ihnen) hemmungslose Schluckspechte wären: Einerseits durch ihre Arbeit (weil sie von Kunden ständig mit Ladydrinks „gefüttert“ werden), aber auch außerhalb (wenn sie z.B. danach noch auf Parties gehen, etc.). Aber trifft das wirklich zu? Meine Beobachtungen (wie bereits gesagt, meine Quellenlage ist natürlich recht dünn) gehen eher in eine etwas andere Richtung: Auch ich bin während meines Urlaubs auf Ladies getroffen, die am Ende ihrer Schicht quasi nicht mehr stehen konnten – sie schienen mir aber eher die Ausnahme als die Regel zu sein. Wie komme ich zu dieser Ansicht? Schauen wir hierzu mal etwas mehr in die Details.
Fangen wir mit den Ladydrinks an: Wenn ein Kunde sie zu einem solchen einlädt, kann/darf sie nicht ablehnen, da dadurch Umsatz für die Bar generiert wird (und – kann ich selbst nicht beurteilen, aber wurde schon öfter hier im Forum thematisiert – sie eine Mindestmenge an Ladydrinks generieren muss, um nicht gegen die Regelungen ihres Arbeitsvertrags zu verstoßen). Und zusätzlich bekommt sie auch noch selbst einen Anteil an jedem Drink: In einigen Gents Clubs konnte ich das beobachten – bei jeder Bestellung eines Ladydrinks landeten die Kosten hierfür auf meinem Belegzettel, aber zusätzlich spuckte das Kassensystem noch einen weiteren (kleineren) Beleg aus, auf dem „50 Baht“ aufgedruckt waren. Diesen Zettel steckte die Lady ein, das war ihr Anteil an dem Drink. Okay, saufen ist für die Ladies also Pflicht – aber stimmt das wirklich?
Schauen wir uns nun die Ladydrinks also einmal genauer an: Sicherlich ist jedem von euch schon aufgefallen, dass die Gläser hierfür wesentlich kleiner sind als diejenigen, die ein Gast serviert bekommt (wenn er z.B. Sangsom-Coke bestellt) – ich schätze etwa 150 ml im Vergleich zu 250 ml. Und die Hauptzutat ist eh immer die gleiche: Große Mengen an Eis. Also enthält selbst ein „normal starker“ Ladydrink (d.h. die gleiche Stärke, die auch einem Gast serviert wird) nur eine vergleichsweise kleine Menge an Alkohol. Aber haben diese Drinks überhaupt normale Stärke? Während ich mit „meinen“ Ladies zusammensaß, ließen sie mich auch des öfteren mal ihre Ladydrinks probieren und dabei konnte ich meist ein gewisses Muster feststellen: Zu Beginn eines Abends hatten die Drinks noch eine gewisse Stärke (man schmeckte den Alkohol deutlich heraus), je später es wurde, desto schwächer wurden dann die Drinks – schließlich waren sie quasi nur noch gefärbtes Wasser. Sicherlich gibt es auch hier Ausnahmen – d.h. Ladies, die ihre Drinks den ganzen Abend über in voller Stärke konsumieren – aber das ändert nichts an meiner Folgerung: Die Ladies entscheiden selbst, wie stark ihre Getränke sind, d.h. sie können selbst darüber bestimmen, ob sie am Ende des Abends einen hohen oder niedrigen Alkoholpegel haben.
Okay, die (teilweise aufgezwungenen) Ladydrinks sind also nicht (oder zumindest nicht hauptursächlich) der Grund dafür, dass manche/viele Dienstleisterinnen ein massives Alkoholproblem haben. Ich habe jetzt zwar keine Studie zur Hand, die einen Vergleich aufzeigen könnte zwischen dem Alkoholkonsum von Thailänderinnen generell und solchen, die im Rotlichtmilieu tätig sind – ich bin mir aber relativ sicher, dass Angehörige dieser Berufsgruppe deutlich häufiger zu Alkoholismus neigen als „durchschnittliche“ Thailänderinnen. Warum ich das glaube? Wohl die wenigsten Ladies in Pattaya würden ihre Arbeit als sexuelle Dienstleisterinnen als ihren Traumjob bezeichnen – die meisten werden diesen Job schlicht deshalb machen, weil sie nicht viele (oder gar keine) Alternativen haben; klar gäbe es Jobs z.B. im Supermarkt, in Büros, etc. – die werden jedoch viel schlechter bezahlt und alleine damit dürfte es schwierig sein, neben sich selbst noch weitere Familienangehörige zu versorgen.
Also haben wir hier folgende Situation vorliegen: Unzufriedenheit (oder gar Abscheu?) mit dem Job (bzw. mit der Lebenssituation insgesamt), kombiniert mit leichter Verfügbarkeit von Alkohol – das ist in meinen Augen eine gefährliche Kombination, die Menschen leicht in Abhängigkeit geraten lassen kann. Um dieser Versuchung – den Verstand zu betäuben, die Realität ausblenden zu können – zu widerstehen, ist schon eine gewisse Willensstärke erforderlich, über die vermutlich nicht jede der Ladies verfügt.
Was ich denn jetzt als Lösung für diese Problematik vorschlagen würde? Gar keine, ich habe nur meine Sicht der Dinge erläutert.