Es hat etwas gedauert, aber nun bin ich hier. Vor meiner Zuflucht für die nächste Woche:
Areca Lodge.
Die Reise war relativ lang, die letzten Stunden auf der Straße ziemlich surreal, aber jetzt war ich endlich da. Noch naiv bei meiner Fahrerin nachgefragt, ob dies nun der Zeitpunkt sei, wo ich sie bezahle, dann die Thai Baht übergeben, ein kleines Trinkgeld beigelegt und ein freundliches Wai zur Verabschiedung bekommen. Ein letzter Blick auf die Straße, bevor ich durch die Türe trete und offiziell in mein Hotelerlebnis eintauche.
Auch den Empfangsbereich des Hotels hatte ich vorher aus allen möglichen Blickwinkeln auf YouTube studiert. Mit Koffer und Rucksack zur Rezeption, wo ich freundlich, aber routiniert empfangen wurde. Dokumente vorgelegt, eine Unterschrift gesetzt und gerade so genug Bargeld für die Kaution dabei gehabt. Mein Koffer wurde dann vom Hotelpagen entgegengenommen. Ein älterer Herr, mit seinem kleinen, klappernden Gepäckwagen. Auf dem Weg zum Corona-Wing lag dann eine kleine Rampe nach unten. Ich, noch versucht, den Wagen mit meinem Koffer, den Berg runter zu stabilisieren, wurde aber freundlich abgewunken.
„Alles gut, i got this.“ Falls ich raten müsste. Also ließ ich ihn machen, während ich mich fragte, wo denn nun mein Zimmer lag. Rein in den Aufzug, den ich in den nächsten Tagen noch oft sehen würde, und in mein Zimmer gebracht worden. Dem Pagen dann das letzte, was ich an Thai Baht übrig hatte, in die Hand gedrückt und damit war ich fürs Erste so gut wie blank.
Also erstmal das Zimmer begutachtet. Modern und cozy. Neben dem Bett eine kleiner Lounger direkt rechts neben dem Balkon, der definitiv noch zum Einsatz kommen sollte. Ein bisschen ausgepackt, mich kurz sortiert und dann online gecheckt, wo die nächste Wechselstube ist. Hatte mir extra von zu Hause Briefumschläge mitgenommen, um das benötigte Geld ganz filmreif bis zur Wechselstube zu transportieren. Noch schnell unter die Dusche gesprungen, frische Klamotten angezogen und dann schon wieder raus aus dem Hotel.
Google Maps aufgemacht, den Blick auf die Route und los ging es. Ich bog rechts aus dem Hotel ab, bereit für meine erste richtige Runde durch Pattaya. Kaum ein paar Meter gelaufen, schon mein erstes
„Sawadii ka!“ von den Damen eines Massagesalons zugerufen bekommen. Jetzt war ich offiziell angekommen. Keine Minute später dann auch direkt die Wechselstube gefunden und erstmal
200€ in Baht umgewandelt. Nächster Halt: 7/11. Wasser, Snacks, die üblichen Essentials. Und dann natürlich das eine Ding, das man als alleinreisender Mann in Pattaya besser dabeihat. Direkt an der Kasse stand eine junge Kassiererin, und genau daneben, unübersehbar, die Ablage mit den Kondomen. Erstmal nicht getraut. Was ich aber aus sicherer Entfernung erkennen konnte: Die verfügbaren Größen waren alle viel zu klein – no flex.
Note to self: Nächstes Mal einfach von zu Hause mitbringen. Also mit den weniger kontroversen Einkäufen zur Kasse, bezahlt und zurück ins Hotel. Dort erstmal alles abgeliefert, Restgeld in den Safe gepackt, zusammen mit meinen Dokumenten und den übrigen Euronen.
Nun aber zu dem, wofür Mann wirklich nach Pattaya kommt … Essen. Prime Burger sollte es werden. Aber bevor ich mich direkt dorthin begebe, wollte ich noch ein bisschen durch die Straßen laufen und den ersten Tag auf mich wirken lassen. Plötzlich fiel mir ein: Ich hatte ja noch ThaiFriendly installiert. Also kurz geöffnet, um zu checken, was neben gutem Essen noch so auf der Speisekarte steht. Während ich also wie gefundenes Fressen durch die Straßen lief, kam plötzlich eine Nachricht rein:
„Hey, i just saw you.“ Von irgendeinem Girl aus den Bars. NSA? CIA? Face Detection ist hier einfach live und in Farbe. Dann endlich bei Prime Burger angekommen. Von außen wusste ich ja, was mich erwartet, aber innen war es dann doch rustikaler als ich gedacht hätte. Hat mir gefallen. Was ich gezahlt habe? Keine Ahnung mehr. Leider. Wie so einiges in diesem Bericht. Hab mich einfach immer an den Preis auf der Karte orientiert und am Ende auf den nächsten Hunderter aufgerundet. Nach so einem langen Trip hat das Fast-Food einfach nur brutal geschmeckt. Die junge Kellnerin hat mich derweil die ganze Zeit beobachtet. Vielleicht, aber auch weil ich einer der einzigen Gäste war. Glücklich und gesättigt den Laden verlassen und draußen war es mittlerweile dunkel geworden.
Ich wollte in meiner ersten Nacht nicht direkt
ficken, eine Massage sollte erstmal reichen. Also das Handy rausgeholt und nachgeschaut, welche Adresse ich mir da aus dem Forum noch gespeichert hatte. Kaum ein paar Meter gelaufen, wieder die ersten Zurufe. „Massage?“, „handsome man?“ und „Where you go?“ Soviel Aufmerksamkeit wie ich wahrscheinlich in meinem Leben nicht mehr kriege und langsam habe ich mich daran gewöhnt. Zielstrebig machte ich mich also auf den Weg, doch je länger ich lief, desto weniger wusste ich, wo ich überhaupt war. Ich hatte mich so sehr auf die Damen konzentriert, dass ich komplett den Überblick verloren hatte. Das hatten dann wohl auch zwei ältere Damen aus einem Massagesalon bemerkt. Mit breitem Lächeln kamen sie auf mich zu und versprachen mir eine wunderschöne Zeit, mit beiden zu erleben. Für einen kurzen Moment spielte ich mit dem Gedanken, aber im Hinterkopf hatte ich immer noch mein ursprüngliches Ziel. Also dankend abgelehnt, noch kurz *touchy, touchy* meine Figur von den beiden begutachten lassen und weitergezogen. irgendwann war klar: Ich werde diesen Massagesalon heute nicht mehr finden. Also gab ich auf, drehte um und lief die Strecke zurück zum Hotel. 15 Minuten Fußweg, um mir einzugestehen, dass es heute einfach nicht sein sollte. Ich musste nicht direkt alles auf einmal erleben.
Morgen sollte es dann richtig losgehen.